Damit Kinder eine Zukunft haben

2010-01-26b

Rhön-Grabfelder spenden für Haiti, ähnlich wie vor fünf Jahren für Tsunami-Opfer – eine Bilanz

Rhön-Grabfeld hilft den Erdbebenopfern: Über 65.000 Euro waren am Montagnachmittag auf dem Haiti-Spendenkonto eingegangen.

Doch neu ist das Engagement der Rhön-Grabfelder nicht. Auch vor fünf Jahren, unmittelbar nach der Tsunamikatastrophe in Sri Lanka, floss viel Geld aus dem Landkreis in die Krisenregion. Die "Aktion Rhön-Grabfeld hilft" spendete 65.000 Euro für Michael Kreitmeirs Projekt "Little Smile", das Waisenkinder in Sri Lanka unterstützt. Die Hauptschule Bad Neustadt sammelte 10.173 Euro für den Wiederaufbau einer zerstörten Schule. Fünf Jahre ist das nun her – Zeit um Bilanz zu ziehen: Was bewirkten die Gelder und wie entwickeln sich die Projekte?

Hilfe für Patenschule in Sri Lanka

Den Kontakt zu der von der Katastrophe zerstörten Volksschule Sri Vinayagar Vidyalam in Kaluwanchikudy an der Ostküste Sri Lankas hatte Anand Anders, Sportfotograf bei der Main-Post, vermittelt. Anders ist gebürtiger Tamile und hatte nach der großen Flutwelle seine Heimat besucht, um auszukundschaften, wo und wie geholfen werden kann. In den Osterferien besuchte dann Hauptschullehrer Klaus Schiffmann die zerstörte Schule. Unterrichtet wurden die Kinder damals noch unter freiem Himmel im Schatten einiger Bäume. Als Soforthilfe schaffte der Neustädter Lehrer Spielgeräte für den Pausenhof und 20 "Küchen" – jeweils einen Gaskocher, eine Gasflasche und einen Elektromixer – für Eltern an, die im Umfeld der Schule in behelfsmäßigen Zelten und Wellblechhütten campierten. Betroffene Familien seien auch mit Direkthilfen unterstützt worden. 10.173 Euro Spendengelder hat die Hauptschule in den vergangenen fünf Jahren der Patenschule zukommen lassen. Zusammen gekommen sind die Gelder bei diversen Aktionen der Hauptschule in Zusammenarbeit mit dem früheren Werbekreis der Stadt. "Wichtig war es, vor Ort präsent zu sein und die Gelder selbst weiterzugeben", erklärt Schiffmann. "Für viele Menschen auf der Insel ist es schwierig gewesen, die Balance zwischen Bedürftigkeit, Versuchung und Gerechtigkeit zu halten." So manche Gelder seien da fehlgeleitet worden. Als Glücksgriff und absolute Vertrauensperson habe sich dabei der Schulleiter der zerstörten Schule, Markandu Perananthan, erwiesen, der dazu beitrug die Gelder an die wirklich Betroffenen weiterzuleiten. Fünf Jahre später ist die Schule im Ort Kaluwanchikudi wieder aufgebaut, allerdings nicht an der Küste, sondern am westlichen Ortsrand, also landeinwärts. Gesponsert wurde der Wiederaufbau gemeinsam von Hauptschule und dänischer Volkskirche. In acht bis zehn Klassenzimmern werden etwa 450 Schüler unterrichtet, berichtet Schiffmann. "Der dritte Besuch im September hat gezeigt, dass die Betroffenen dank der materiellen Hilfe wieder Mut fassen konnten."

Unterstützung für Waisenkinder

"Wir werden noch hier sein, wenn all die Katastrophenhelfer längst weiter gezogen sind", sagte Michael Kreitmeir vom Projekt "Little Smile" im Dezember 2004. 2010 ist er noch immer vor Ort. Der Journalist des Bayerischen Rundfunks hatte 1999 ein Projekt in den Bergen Sri Lankas gestartet. Vernachlässigte und vom Bürgerkrieg traumatisierte Kinder sowie Waisenkinder sollten dort ein neues Zuhause finden. Dieses Kinderdorf in Koslanda war zwar 2004 von der Flutkatastrophe verschont geblieben, doch zwei Außenstationen von "Little Smile" waren zerstört worden. Von einem Kinderhaus, in dem 22 Kinder und vier Betreuer lebten, war nur ein Trümmerhaufen übrig geblieben. "Little Smile" hatte direkt nach der verheerenden Flut begonnen, bis zu 400 Kinder aus dem Katastrophengebiet in ihrem unversehrten Waisenhaus aufzunehmen. "Für uns war es wichtig, dass wir eine Benefizaktion finden, die die Gelder eins zu eins an die Bedürftigen bringt", sagt Roland Schmautz, Direktor der Sparkasse und einer der Initiatoren der Rhön-Grabfeld-hilft-Aktion. Bei Kreitmeirs "Little Smile"-Projekt sei man fündig geworden. Gemeinsam mit der VR-Bank, noisetag und der NESAG hatte die Sparkasse damals eine Spendenaktion initiiert. Ein Benefizkonzert in der Stadthalle am 23. Januar 2005 spielte über 45 000 Euro auf das Spendenkonto, nach Abschluss der Spendenaktion waren es rund 65 000 Euro, die an Little Smile für die nachhaltige Tsunami-Hilfe übergeben werden konnte. Die Little Smile Association half sowohl im Bereich der Soforthilfe als auch beim Wiederaufbau von zerstörten Häusern für Witwen mit Kindern. Daneben wurden zwei Bootprojekte mit zusammen neun Booten realisiert. "Gott sei Dank konnten wir viele Spender überzeugen, dass die Hilfsgelder auch da eingesetzt werden konnten, wo es nicht nur um die Tsnuami-Hilfe ging", schreibt Kreitmeir in einem Rückblick. So hätte unter anderem ein Weiterbildungszentrum für Lehrer und Führungskräfte im Kinderdorf in Koslanda, ein Zentrum für Naturmedizin mit Krankenhaus und Schule in der Provinz Buttala gebaut werden können. Die Tsunami-Hilfe ist abgeschlossen. "Aber nun haben wir fünf Jahre später wieder eine große Katastrophe und hoffen wieder auf ein großes Herz der Bürger und die Unterstützung der Aktion", sagt Sparkassendirektor Roland Schmautz.

Spendenkonto:

„Rhön-Grabfeld hilft Haiti“, Kontonummer: 178 020, BLZ: 793 530 90, Sparkasse Bad Neustadt; "Haiti"